Autoren über das Schreiben

Ich fühlte mich als Schriftstellerin, obwohl ich noch keinen Pfennig für meine Arbeit bekommen hatte.

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Ich war also auf der Reise. Oder vielleicht schon am Ziel? Als mein erstes Baby die Auszeichnung Bestseller Nr 1 bei Amazon erhielt, war mir klar: Ich war am Ziel. Auch wenn dieses Ziel nur eine kleine Nische war:, die Rubrik „Pferde und Haustiere“, das war egal. Ich war irgendwo angekommen. Aber ausruhen konnte ich mich nicht. Das Loch, das sich plötzlich vor mir auftat, machte mich kribbelig. Ich hatte auf einmal nichts mehr Richtiges zu tun. Und meine Hauptfigur Vera ging mir auf die Nerven.

Sie wollte weiterleben, sich in Abenteuer stürzen, Bösewichte zu Fall bringen und natürlich reiten! Sie befand sich in dem gleichen Loch wie ich. Also setzte ich mich wieder hin und tippte drauf los. Es ging erstaunlich flott vorwärts. Ich füllte Seite um Seite und war glücklich! Zwei Wochen lang, an jedem neuen Tag endlich am Ziel: Ich fühlte mich als Schriftstellerin; obwohl ich noch keinen Pfennig für meine Arbeit bekommen hatte. Noch nicht, aber lange konnte es nicht mehr dauern, dann würde der Rubel rollen. Ich kam bis Seite 50. Immerhin, dachte ich, als ich den Ausdruck in den Händen hielt. Dann kam das Erwachen. Das Zeug ließ sich nicht lesen. Nicht einmal von mir. Jetzt war es soweit: Ich war bereit zu Aufbruch und Reise, packte meinen Rucksack und fuhr an einem eisigen Januarmorgen mit zugefrorener Frontscheibe und der aufgehenden Sonne im Guckloch, das ich mir alle fünf Minuten frei reiben musste, auf der mittleren Spur der Autobahn eingekeilt von LKW immer stur geradeaus nach Osten. Und ich kam gut an: Bei Ulrikes Workshop Heldenreise in Kirchheim unter Teck.

Das war der Anfang und allmählich begann ich es zu verstehen, – das Gedicht von Hermann Hesse, das ich als Schülerin unter der Bank liegen und auswendig gelernt hatte, wenn der Unterricht mal wieder stinklangweilig war: „Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.“ Ich würde nie ankommen. So wie ich meine Hauptfiguren Vera Roth und Helena Schadow aus dem Klassentreffen auf immer neue Reisen schickte, würde auch ich mit jedem neuen Text zu einem neuen Ziel aufbrechen. Ich würde stetig Neues lernen. Ankommen würde ich nie.

Mörderische Liebe von Heide-Marie Lauterer Bei „Mörderischer Liebe“ habe ich gelernt, mich dem Bösen zu stellen. Ich habe Stephan King gelesen, nein, ich habe ihn verschlungen. Seine Bücher waren mir als Wissenschaftlerin durch die Lappen gegangen. Ich hatte ein spätes Coming out und war begeistert. Kings Beschreibung des unverantwortlichen Prinzips in uns, des inneren Zornickels, gibt ein Prinzip der Heldenreise wieder. „ Man musste den verrückten Kerl in seinem eigenen Innern finden, der einem das Leben schwer machte. Man musste ihn in eine Ecke treiben und packen. Aber man durfte ihn nicht umbringen, o nein. Für kleine Bastarde dieser Art wäre der Tod viel zu gut gewesen. Man musste ihm ein Geschirr anlegen und dann anfangen zu pflügen. Der verrückte Kerl legt sich mächtig ins Zeug, sobald man ihn erst in die Spur gebracht hatte. Und er hielt einen bei Laune, amüsierte einen. Das war eigentlich schon das ganze Erfolgsrezept.“ (Stephan King, Es, S. 768)

Langsam, langsam komme ich diesem Kerl auf die Spur. Wenn ich ihn in mir gefunden habe, leben meine Figuren auf einmal wie von selbst. Das Tolle ist: Der Kerl hat immer was Neues auf Lager. Vielleicht ist genau das das Wichtigste am Schreiben (und Lesen): Das Vermeiden von Langweile und Überdruss, die Lust auf Neues und das Staunen können, auch wenn andere meinen, dass es eigentlich gar nichts mehr zu staunen gibt.

Heide-Marie Lauterer – Autorenprofil

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